Erich Mühsam

Erich Mühsam wurde am 6. April 1878 als drittes Kind des Apothekers Siegfried Seligmann Mühsam (1838-1915) und seiner Frau Rosalie in Berlin geboren und wuchs in Lübeck auf. Sein Vater Siegfried Mühsam war von 1887 bis 1915 Abgeordneter der Lübecker Bürgerschaft. Seine Eltern schickten ihn auf das humanistische Gymnasium Katharineum zu Lübeck. Am 11. Januar 1896 wurde Erich von der Schule wegen „sozialdemokratischer Umtriebe“ verwiesen. Er hatte Berichte über schulinterne Vorgänge an den Lübecker Volksboten weitergegeben. 1896 beendete er die Schule am Parchimer Gymnasium mit der „Mittleren Reife“ und absolvierte eine Apothekerlehre in Lübeck.

Mühsams schriftstellerische Neigung fiel bereits in seiner frühen Jugend auf, als er im Alter von elf Jahren begann, Tierfabeln zu verfassen. Dieses erste literarische Engagement verdichtete sich, als der 15-jährige Mühsam für die Auftritte der Clowns des örtlichen Zirkus erste satirische Beiträge beisteuerte.

Sein Berufsleben begann er als Apothekergehilfe im Jahre 1899 mit Stellen in Blomberg, Schlesien und Berlin. Nach dem Umzug nach Berlin betätigte er sich in der Kabarettszene und fand zum Anarchismus; er schloss eine Lebensfreundschaft mit Gustav Landauer. Er redigierte ab dem Jahre 1902 die anarchistische Wochenschrift »Der arme Teufel«. Als erste Arbeiten erschienen: der Aufsatz »Die Homosexualität« (1903), »Billys Erdengang« mit H. H. Ewers (1904) und der Gedichtband »Die Wüste« (1904). Eine Wanderung mit Johannes Nohl über vier Jahre führte ihn in die Schweiz und nach Norditalien.

Auf dem Monte Verità befreundete er sich mit dem Siedler Karl Gräser, nach dessen Vorbild er eine „Sammlungsstätte“ solcher Menschen errichten wollte, „denen sich gegen Knechtschaft und Vergewaltigung in echtem Grimme der Mensch aufbäumte“. Eine entsprechende Gemeinschaft und Herberge für die von der Gesellschaft Geächteten – Landstreicher, Bettler, Huren und Verbrecher – versuchte er dann in der Großstadt München zu schaffen.

Wegen Verbreitung eines Flugblatts in Berlin wurde er 1906 zu 500 Mark Geldstrafe verurteilt. Mühsam wurde 1908 in München sesshaft. Er war Gründungsmitglied der »Gruppe Tat« zur Propagierung der Ideen des Sozialistischen Bundes. Es erschien der Gedichtband »Der Krater«. Im Jahre 1910 erfolgte die Verhaftung unter Anklage der Geheimbündelei; Mühsam wurde freigesprochen. Er widmete sich der Herausgabe der Schrift: »Kain. Zeitschrift für Menschlichkeit« im eigenen Verlag in den Jahren von 1911 bis 1914 und 1918/1919.

Im September 1915 heiratete er Kreszentia Elfinger. Im Laufe der Kriegsjahre schwieg seine Feder, jedoch nahm er Anteil an den. Hunger- und Protestdemonstrationen in München ab 1916. Mühsam propagierte die revolutionäre Beendigung des Krieges; In der Münchner Räterepublik war er in vorderster Front vertreten. Nach dem blutigen Ende wurde er 1919 zu 15 Jahren Festungshaft verurteilt, die er in Ansbach abzuleisten hatte. In der Haft entstanden u.a. die Werke: »1919. Dem Andenken G. Landauers«, »Judas. Ein Arbeiterdrama«, »Brennende Erde«, »Das Standrecht in Bayern« (1923). Am 21. Dezember 1924 wurde er auf Bewährung aus der Haft entlassen. Er ließ sich in Berlin-Charlottenburg nieder und widmete sich mit Entschiedenheit wieder politischen Zielen: »Revolution. Kampf-, Marsch- und Spottlieder«, »Alarm. Manifeste aus 20 Jahren« »Seenot« (alle 1925), »Staatsraison« (1928) und die »Sammlung 1898-1928«. Er gründete die Zeitschrift »Fanal«, die zwischen 1926 bis 1931 erschien. In den Bänden »Unpolitische Erinnerungen 1927-1929« und »Von Eisler bis Leviné« (1929) geißelte er die zeitlichen und politischen Umstände.

Er warnte ohne Unterlass vor dem aufziehenden Faschismus und bemühte sich um eine die Einigung aller links gerichteten Kräfte zu einer revolutionären Bewegung. In der Nacht des Reichstagsbrandes (27. Februar 1933) wurde er verhaftet und in der Haft schwer misshandelt.

Wie verhasst der Dichter war, zeigt ein Wort des nationalsozialistischen Propagandaministers Joseph Goebbels: »Dieses Judenaas muss krepieren!«. In der Nacht vom 9. auf den 10. Juli 1934 starb Erich Mühsam an den Folgen der Folter im KZ Oranienburg. Seit dem 111. Geburtstag von Erich Mühsam am 6. Juni 1989 arbeitet und forscht die Erich-Mühsam-Gesellschaft in Lübeck im Andenken an ihn. www.erich-muehsam.de und http://audioarchiv.blogsport.de/tag/erich-mühsam.