Muzica suprimata

Zum zweiten Mal findet eine Konzertreihe zur Verfemten Musik den Weg nach Siebenbürgen. Der thematische Inhalt sind Kompositionen der sogenannten verfemten, verfolgten, verdrängten Musik. Die rumänische Musikpresse und die deutschsprachigen Zeitungen in Rumänien haben die 2011er-Konzertreise intensiv begleitet und in mehrspaltigen Artikeln darüber berichtet. Jeden Tag hat der Rumänische Rundfunk in seiner Klassiksendung mehrfach auf die Konzerte hingewiesen. Das Rumänische Fernsehen hat einen Film über die Konzertreise gedreht, der bisher von 19 europäischen Sendeanstalten angefordert worden ist. Deutschlandradio Kultur hat ebenfalls die Reise von einem Berichterstatter begleiten lassen und daraus mehrere Sendungen geschnitten und mehrfach ausgestrahlt.

Für 2012 kommt es zu einer neuen Reihe, die vier Konzerte im Programm hat:
 

Klavier-Rezital

Die beiden Schönberg-Schüler Norbert von Hannenheim und Viktor Ullmann werden in Bezug gesetzt zur Kunst der Fuge. Wie sich die Hohe Schule der Fugenkomposition im Laufe der Musikgeschichte entwickelt hat, ist eine spannende Frage, der Moritz Ernst virtuos und aufregend nachgeht. Er spannt den musikhistorischen Rahmen vom Barock - von Samuel Scheidt und Johann Sebastian Bach - über die beginnende Moderne, als Ferrucio Busoni bewusst den Weg zurück zu Bach ging, um von dort aus der Zweiten Wiener Schule Schönbergs „Wege zur Neuen Musik“ zu weisen.

Seit dem Winter 2011/12 spielt Moritz Ernst das Gesamtwerk der Klaviersonaten Hannenheims und Ullmanns bei Deutschlandradio ein, daraus wird eine Doppel-CD bei EDA produziert.

Dienstag, 11. September Hermannstadt
Samstag, 15. September Kronstadt


 

Text und Musik “Wir sind nie mehr zu Hause - Verse in Dur und Moll über Ausgrenzung, Auswanderung und Heimweh”

„Verse in Dur und Moll“ greift einen Buchtitel auf, den Mascha Kaléko für eine Gedichtsammlung prägte. So wie sie mussten viele Dichter ihre Heimat verlassen, als die braunen Schergen des Nationalsozialismus sie aus ihren familiären und beruflichen Bindungen und aus ihrer Sprache hinaus schnitten - Else Lasker-Schüler zum Beispiel oder Franz Werfel. War dies Schicksal schon schlimm genug, war es „noch ein Glück“, verglichen mit dem von Erich Mühsam und Viktor Ullmann, die ihr Leben in Konzentrationslagern lassen mussten.

Doch die Verfolgung durch die Nazis war noch nicht das Ende der Barbarei für das soeben vergangene 20. Jahrhundert. Auch das sozialistische Rumänien wusste, wie man unter dem Deckmantel einer Ideologie Menschen quält. Siebenbürgische Dichter wie Wolf von Aichelburg oder Frieder Schuller konnten vor Diskriminierung und Drangsal heraus gekauft werden aus dem Land, das ihren Familien 850 Jahre lang fraglos Heimat war.

Wir wollen mit dieser literarisch-musikalischen Collage an die Lebensläufe, an das dichterische Werk, an die Zeiten erinnern, die allmählich nur noch in der Erzähltradition aufgehoben sein werden. Nicht nur die junge Generation kennt sie immer weniger, auch den Zeitgenossen war sie nicht sehr präsent - die Mitsprache ist ihr ja weitgehend verwehrt worden. Wir wollen die Dichtung in die Präsenz hinein holen, auf dass sie in der Tradition ihren Platz einnehmen kann.

Oskar Ansull rezitiert, ein „Erfinder von Lesungen“, insofern er die Gedichte, obwohl wortgetreu vorgetragen, dennoch im Augenblick zu erfinden scheint. Zwischen oder gegen die Lyrik setzt Moritz Ernst Walzer, die dem aufkommenden Pathos die Spitze brechen.

Mittwoch, 12. September Schässburg
Donnerstag, 13. September Hermannstadt
Freitag, 14. September Mediasch
Sonntag, 16. September Kronstadt


 

Lieder von Hannenheim, Ullmann und Herschkowitz

Wir machen eine weitere Facette des Schaffens von Norbert von Hannenheim und Viktor Ullmann auf und stellen neu Philip Herschkowitz vor. Das Gemeinsame der drei Komponisten ist, dass ihre Musiksprache von Schönbergs Zwölftonmethode geprägt war. Diese atonale Kompositionstechnik folgt, ebenso wie die tonale, strengen Regeln, doch befreite sie die Dissonanz. Damit wurde möglich, seelisches Außer-sich-sein nicht mehr nur durch Lautstärke oder angezogenes Tempo abzubilden, sondern durch weit gespannte Intervalle.

Gestalten wird diesen Liederabend die Prager Sängerin Irena Troupová mit ihrer mühelosen Stimme, die Tiefen ausloten und Sterne kitzeln kann. Von der Barockmusik kommend, weiß sie genauso gut zeitgenössische Musik farbig zu gestalten. Begleitet wird sie von Ján Dušek, gefragter Solopianist, der als mehrfach preisgekrönter Komponist und sensibler Duopartner fähig ist, aus der Struktur jede Nuance zu erspüren.

Dienstag, 18. September Schässburg
Mittwoch, 19. September Mediasch
Donnerstag, 20. September Kronstadt
Freitag, 21. September Hermannstadt


 

“Ein Hauch von Jazz” -
Kompositionen von Erwin Schulhoff und Bernhard Sekles

Beide Komponisten verfügten über “jene spielerische Ironie, hinter der sich eine zage, heimatsüchtige und keusche Innerlichkeit sorglich versteckt“.

Wenn sie im Jazz-Idiom schrieben, was Anfang der 1920er Jahre noch Avantgarde bedeutete, war „die Groteske nicht irgendein Selbstzweck, sondern nur die Brücke, die die Seele aus ihrer lyrischen Abgelöstheit hinüber in die Welt schlägt, um nicht im Abgrund zu versinken“.

Seit 21 Jahren sind die Pianistin Monica Gutman und der Geiger Marat Dickermann im Duo für die Verfemte Musik Pfadfinder. Schulhoff spielen sie nicht erst seit seinem 100. Geburtstag 1994. Sekles ist die aktuelle Trouvaille – ein Glücksfund, Glück nicht als Zufall, sondern als „geahnt und gefunden“. Auch in Deutschland ist der Komponist, der 37 Jahre lang Dozent und dann Direktor des Hoch'schen Konservatoriums in Frankfurt am Main war, heute so gut wie unbekannt - Musik im Schatten. Damals hing, auch um seiner klugen Methodik und sachlichen Strenge gegen alles Verblasene, Unorganische und Gemachte willen, die Frankfurter musikalische Jugend an ihm als ihrem Führer und Freund.

Donnerstag, 27. September Kronstadt
Freitag, 28. September Schässburg
Samstag, 29. September Mediasch
Sonntag, 30. September Hermannstadt